verschiedene historische Reproduktionen des Schokoladenmädchens von Liotard
© Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Susanne Drexler

„Wir suchen IHR Schokoladenmädchen“

Die Sonderausstellung „Das schönste Pastell, das man je gesehen hat.“ Das Schokoladenmädchen von Jean-Étienne Liotard ist vom 28. September 2018 bis 6. Januar 2019 im Gobelinsaal des Semperbaus zu sehen. Ausgewählte Objekte des Publikumstages werden im Vorfeld wechselnd in der Kassenhalle der Gemäldegalerie Alte Meister präsentiert.

#5

Als vorerst letztes Exponat der Reihe „Wir suchen IHR Schokoladenmädchen“ präsentieren wir seit Anfang September die Arbeit von Ulrike Handwerker.

2017 bekam Ulrike Handwerker (*1952) eine handgeschnitzte Figur des Schokoladenmädchens geschenkt. Ihrer Auffassung nach stimmte diese in Anmut und äußerer Erscheinung nicht mit Liotards berühmten Werk überein. Sie veränderte das Gesicht der Figur, ließ es weniger herb aussehen und verkleinerte den ursprünglich 8 cm hohen Sockel, um auf diese Weise die Proportion dem Original anzugleichen. Handwerker arbeitete als IT-Spezialistin und ist bis heute künstlerisch tätig. Seit 2013 schnitzt sie im Rahmen von Kursen des Museums für Sächsische Volkskunst in Dresden mit Vorliebe Menschen und Tiere aus Holz.

 

 

geschnitze und farbige gefasste Holzfigur des Schokoladenmädchens
© SKD, Foto: Bettina Forger
Ulrike Handwerker, Ein Schokoladenmädchen, 2017/18

#4

Auch die Arbeit von Gabriele Messerschmidt wurde von der Jury des Publikumstages „Wir suchen IHR Schokoladenmädchen“ gewürdigt. Seit Mitte August war sie zu sehen.

Die Plastik nach Liotards Schokoladenmädchen schuf Gabriele Messerschmidt mit dem Gedanken, die „Aura des Pastells“ erhalten zu wollen. Doch spielte sie in der Umsetzung mit der Gestalt der jungen Frau: Das Gesicht mitsamt der Haube gestaltete die Künstlerin rund, große Kulleraugen und eine Stupsnase ersetzen die zarten Gesichtszüge des Originals. In der dadurch eintretenden Verniedlichung erinnert die Plastik an den typischen modernen Zeichenstil japanischer Comics, den sogenannten Mangas. Die Bildhauerin, die vielfach Zeichnungen und Bilder ins Dreidimensionale übersetzt, entschied sich bei der Ausführung des weiten Rocks und aufgrund des möglichen Gewichts für einen leichten Styroporkern, der mit Gips ummantelt und geformt ist. Darüber brachte sie Papiermaché an. Bemalt wurde die Figur mit Acrylfarben, der Rock ist für den Glanz mit Aluminium unterlegt.

eine vollplastische Figur des Schokoladenmädchens
© SKD, Foto: Bettina Forger
Gabriele Messerschmidt, Schokoladenmädchen nach Liotard, 2018

Slider Messerschmidt

#3

Dir dritte Gewinnerin unseres Publikumstages „Wir suchen IHR Schokoladenmädchen“ – Barbara Hering – stellte seit Anfang Juli ihre Interpretation des berühmten Pastells aus.

Die Radierung von Barbara Hering – Gegenstand der dreiteiligen Arbeit „Der Ruf an uns“ – zeigt das Schokoladenmädchen nach Liotard. Auf den ersten Blick ganz ähnlich, fallen beim zweiten Unterschiede ins Auge: so trägt die Chocolatière auf dem Tablett statt der Schokoladentasse eine Plastikflasche. Und aus dem Gesicht der jungen Frau scheint nun eine ältere Person mit Doppelkinn geworden zu sein. Der hier gezeigte Probedruck auf zwei Blättern, durch den das Schokoladenmädchen in der Körpermitte wie durchschnitten wirkt, führt zusätzlich eine Entfremdung vom bekannten Original herbei. Hering, die sich seit 2006 mit dem Medium der Druckgrafik beschäftigt, hinterfragt in ihren Arbeiten, wie uns in unserer heutigen Gesellschaft Informationen und Konsumgüter präsentiert, oder auch „serviert“, werden. Dabei stellt sich die Frage: Welche Wirkung hat es auf uns Betrachter, wenn statt einer wertvollen Tasse, gefüllt mit exotischem Kakao, ein modernes Getränk, an der Flaschenform als Coca-Cola erkennbar, vorgeführt/serviert wird?

Radierung nach Liotards Schokoladenmädchen
© Foto: Barbara Hering
Barbara Hering, .... die Geteilte ...., 2010

Wir suchen IHR Schokoladenmädchen #3

zwei Grafiken und eine Zeitungsseite in eine Passepartout
© Foto: Barbara Hering
Barbara Hering, Der Ruf an uns, 2010

#2

Die zweite von der Jury ausgewählte Arbeit wurde von Mitte Mai bis Ende Juni gezeigt.

Die von dem Dresdner Studio für angewandte Kunst „Lamettanest“ und Hendrikje Wehnert zusammen konzipierte Fotoserie „Das Oblatenmädchen“ entstand 2008 im Rahmen eines Kunstprojekts, das Dimensionen von Identität und Rollenwechsel auslotete. Der von Hendrikje Wehnert, die auch selbst auf den Bildern zu sehen ist, entwickelte Charakter des Oblatenmädchens zitiert das berühmte „Schokoladenmädchen“  Liotards von 1744/45. Die vier Fotografien zeigen jedoch, wie das Mädchen aus ihrer Rolle, in der sie seit Jahrhunderten gefangen ist, fällt. Indem das anfänglich sorgfältig gehaltene Tablett in Schieflage gerät und der aufgeschichtete Oblatenstapel entgleitet, wird deutlich, wie vergänglich die scheinbar so unbewegte Szene tatsächlich ist.

ein Mädchen hält ein Tablett, auf dem ein Stapel Oblaten liegt
© Foto: Robert Grund
„Lamettanest“ und Hendrikje Wehnert, Das Oblatenmädchen 1, 2008

Slider Oblatenmädchen

#1

Von  Mitte April bis Mitte Mai war der erste Gewinner des Publikumstages „Wir suchen IHR Schokoladenmädchen“ zu sehen.

Heinrich Seilings Tonfigur des Schokoladenmädchens entstand an der Grundschule seiner Kinder im monatlich stattfindenden „Elterntöpfern“, an zwei Abenden, skizzenhaft und unter Zeitdruck. Seiling setze in seiner Arbeit das Motiv des Schokoladenmädchen aus der Gemäldegalerie Alte Meister dreidimensional in Ton um. Dabei interessierte es ihn besonders, wie das Schokoladenmädchen von hinten, von links, von oben – also aus anderen, neuen Perspektiven – aussieht. Auf dem Weg zum Brennofen ging das Wasserglas verloren und der Becher mit Schokolade kippte um; seither liegt er unverrückbar auf dem Tablett.

Glasierte Tonfigur des Schokoladenmädchens
© Foto: Heinrich Seiling
Heinrich Seiling, Tonfigur des Schokoladenmädchens, 2017
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